Bericht | Remote-Arbeit lebt bei der Startup-Einstellung weiter

Zuletzt aktualisiert am May 29, 2026

Executive Summary

Diese Analyse vergleicht die Hacker-News-Threads „Ask HN: Who is hiring?“ aus Mai 2025 und Mai 2026, um zu messen, wie sich vollständig remote, hybrid und vor Ort organisierte Arbeit in einem stark entwicklerorientierten Recruiting-Kanal verändert haben. Die kombinierte Stichprobe umfasst 619 Hiring-Posts der obersten Ebene.

Die wichtigste Erkenntnis: Vollständig remote bleibt in der HN-Hiring-Community weiterhin das stärkste einzelne Arbeitsmodell. Im Mai 2026 entfielen 46,3 % der klassifizierten Beiträge auf vollständig remote, ohne die unbekannten Fälle. Das liegt zwar unter den 48,1 % aus Mai 2025, also ein Rückgang um 1,8 Prozentpunkte — aber keineswegs ein Einbruch.

Hybrid legte von 22,5 % auf 26,1 % zu, also um 3,6 Prozentpunkte, während vor Ort von 29,4 % auf 27,7 % zurückging. Das Muster wirkt weniger wie eine breite Rückkehr ins Büro und eher wie eine langsame Annäherung an Hybrid aus beiden Enden des Spektrums.

Noch schneller als die Arbeitsmodelle entwickelte sich die Gehaltsangabe. Der Anteil der Posts mit Salary-Informationen stieg von 20,5 % auf 27,4 %, während Hinweise auf Visa-Sponsoring nahezu unverändert blieben. Für Recruiting- und Employer-Brand-Teams lautet die größere Geschichte: Tech-Recruiting wird offener – sowohl bei Vergütung als auch beim Arbeitsmodell.

Die am besten zitierbaren Erkenntnisse

  1. Vollständig remote ist im HN-Hiring-Sample weiterhin das größte Arbeitsmodell: 46,3 % der klassifizierten Posts aus Mai 2026.
  2. Vollständig remote sank im Jahresvergleich nur um 1,8 Prozentpunkte, von 48,1 % auf 46,3 %.
  3. Hybrid stieg um 3,6 Prozentpunkte, von 22,5 % auf 26,1 % – die größte Bewegung im Bericht.
  4. Auch vor Ort ging zurück, von 29,4 % auf 27,7 %, was darauf hindeutet, dass Hybrid sowohl von remote als auch von vor Ort profitiert.
  5. Die Gehaltsangabe stieg von 20,5 % auf 27,4 % – stärker als jede Arbeitsmodell-Kategorie.
  6. Nennungen von Visa-Sponsoring bewegten sich kaum, von 2,6 % auf 2,8 %.
  7. Das Sample beschreibt einen selbstselektierten, remote-freundlichen Tech-Recruiting-Kanal – nicht den gesamten US-Arbeitsmarkt.

Wenn man nur die Signale großer Konzerne verfolgt, wirkt die Remote-Work-Geschichte im Jahr 2026 fast entschieden: Große Unternehmen holen Menschen zurück ins Büro, feste Office-Tage kehren zurück, und das voll verteilte Unternehmen klingt zunehmend nach einer Pandemie-Ausnahme. Diese Sicht ist nicht falsch, aber unvollständig. Sie beschreibt die Haltung bekannter Marktführer, nicht die Recruiting-Sprache kleiner und mittelgroßer Software-Teams, die öffentlich um Entwickler konkurrieren.

Dieser Bericht betrachtet genau diese leisere Ebene. Hacker-News-Hiring-Threads sind kein perfektes Abbild des Arbeitsmarkts und sollten niemals wie eine vollständige Volkszählung gelesen werden. Gerade deshalb sind sie nützlich: Das Publikum dort lässt sich schwer beeindrucken. Wer dort postet, spricht direkt zu Engineers, Gründern und technischen Operateuren; vage Employer-Brand-Formulierungen funktionieren dort schlecht. Wenn ein Team in diesem Umfeld „fully remote“, „hybrid“ oder „on-site“ schreibt, ist das in der Regel wörtlich gemeint.

Die Blog-Interpretation ist deshalb einfach: Die RTO-Welle ist real, sie hat aber das remote-first Recruiting im startupnahen Tech-Markt nicht verdrängt. Der Wandel sieht weniger nach einer harten Kehrtwende aus und mehr nach einer langsamen Verschiebung hin zu Hybrid – während die Gehaltstransparenz noch schneller zunimmt als die Büropolitik.

Amazon hat 5 Tage Büropräsenz vorgeschrieben. Salesforce setzte auf „team agreements“. Goldman Sachs erklärte 5 Tage im Büro zur dauerhaften Regel. In den letzten 18 Monaten war RTO (Return to Office) nahezu monatlich eine Schlagzeile, weil große Unternehmen das Ende von Remote Work nacheinander verkündeten. Wer diese Schlagzeilen liest, kommt schnell zu dem Schluss, dass Remote Work als Konzept am Ende sei.

Wir wollten diese These mit einer anderen Art von Daten überprüfen. Hacker News veröffentlicht jeden Monat einen festen Thread — „Ask HN: Who is hiring?“ — am 1. jedes Monats über den Account whoishiring. Das Besondere daran: Es ist kein PR-Signal von börsennotierten Konzernen. Es ist Recruiting-Text, geschrieben von Engineers, Startup-Gründern und kleinen Teams. Ein paar hundert Kommentare pro Monat, jeder Kommentar ein Hiring-Post eines Unternehmens. Wir haben die Threads von Mai 2025 und Mai 2026 gezogen — insgesamt 619 Posts — und untersucht, wie sich die Verteilung von vollständig remote / hybrid / vor Ort verändert hat.

Das Ergebnis ist nicht kompliziert, passt aber nicht zur PR-Erzählung der Großunternehmen. Vollständig remote bleibt das einzelne dominierende Arbeitsmodell in der HN-Hiring-Community — 46,3 % ohne die unklassifizierten Fälle, gegenüber 48,1 % zwölf Monate zuvor. Das ist ein Rückgang um 1,8 Prozentpunkte. Ein Minus, aber kein Verschwinden.

Umgekehrt legt Hybrid um 3,6 Prozentpunkte zu (ohne unbekannte Fälle, von 22,5 % auf 26,1 %). Das ist die klarste Bewegung in den Daten. Hybrid gewinnt Anteile — aber nicht nur von fully remote. Es gewinnt auch von vor Ort (on-site -1,7 pp). Die Verschiebung ist also kein simples „fully remote zu hybrid“-Umschalten. Beide Extreme bewegen sich in Richtung Mitte.

Es gibt außerdem eine Zahl, die wir so nicht erwartet hatten. Die Gehaltsangabe stieg von 20,5 % auf 27,4 % — +6,9 Prozentpunkte. Das ist die stärkste Bewegung im gesamten Datensatz. Die Nennung von Visa-Sponsoring hingegen änderte sich kaum (2,6 % auf 2,8 %). Ein Signal steigt stark, das andere bleibt flach — und die Erklärung dafür liegt in zwei unterschiedlichen Mechanismen. Die Gehaltstransparenz wird durch die Transparenzgesetze in US-Bundesstaaten vorangetrieben (Kalifornien, Colorado, New York und Washington haben 2023–2025 solche Gesetze eingeführt oder verschärft), und die Hiring-Kultur auf HN passt sich entsprechend an. Visa-Sponsoring spiegelt die H-1B-Politik wider, die sich 2024–2026 eher verschärft hat; daher ist eine stabile bis leicht steigende Nennungsrate mit den realen Rahmenbedingungen vereinbar.

Zusammengefasst erzählt die Datenlage eine klare Geschichte: RTO innerhalb der HN-Hiring-Community ist keine Revolution, sondern eine Neujustierung. Fully remote bleibt dominant. Hybrid wächst leise. Vor Ort nimmt langsam ab. Gleichzeitig verschiebt sich der gesamte Hiring-Markt mit zunehmender Dynamik in Richtung Gehaltstransparenz. Im Folgenden betrachten wir jede Ebene genauer.


1. Die aktuelle Verteilung: Fully remote liegt weiterhin mit 46,3 % vorne

may-2026-work-mode-distribution.webp

Im Thread 2026-05 wurden 317 Hiring-Kommentare in folgende Verteilung überführt:

ArbeitsmodellPostsAnteil an allenAnteil ohne unbekannte
Fully Remote14244,8%46,3%
Hybrid8025,2%26,1%
On-site8526,8%27,7%
Unbekannt103,2%

Die Kategorie „unbekannt“ liegt bei 3,2 % — also Kommentare, deren erster Absatz keine eindeutige Aussage zu remote / hybrid / vor Ort macht, meist weil der Poster ein unübliches Format verwendet oder nur auf eine Karriereseite verweist. Alle weiteren Analysen verwenden den Anteil ohne unbekannte Fälle, um Monatsvergleiche sauber zu halten.

Ohne unbekannte Fälle bleibt fully remote das größte einzelne Modell mit 46,3 %. Das ist ungefähr 1,8-mal so viel wie Hybrid (26,1 %) und 1,7-mal so viel wie On-site (27,7 %).

Wie ist diese Zahl zu lesen? Innerhalb der HN-Hiring-Community — einer Stichprobe, die stark von Entwicklern, Startups und frühen Engineering-Teams geprägt ist — kennzeichnet fast die Hälfte der Posts weiterhin offen fully remote. Wer das Narrativ „Remote ist tot“ akzeptieren will, muss erklären, warum fully remote in einem Bereich, der oft als „early-adopter, remote-friendly Tech“ beschrieben wird, bei 46 % stabil bleiben kann.

Eine mögliche Deutung wäre, dass der HN-Ausschnitt nicht repräsentativ ist und der breite Markt längst weitergezogen ist. Diese Deutung nutzt die Stichprobenbegrenzung als Ausweichmanöver. Sie muss aber zwei Dinge mitdenken. Erstens: Der HN-Ausschnitt ist tatsächlich nur ein Ausschnitt, er deckt jedoch einen relevanten Teil des Software-Recruitings ab — insbesondere kleine und mittelgroße Firmen, Early-Stage-Startups und unabhängige Engineers, die kein Budget für LinkedIn Premium oder bezahlte Indeed-Listings haben. Zweitens ist die Stabilität von fully remote innerhalb dieses Ausschnitts selbst ein Signal: In der Gruppe der Unternehmen, die remote überhaupt realistisch umsetzen können, ist Remote alles andere als verschwunden.

2. Was sich in zwölf Monaten verändert hat: Hybrid legte leise um 3,6 pp zu

remote-work-yoy-delta_compressed.webp

Vergleicht man beide Threads ohne unbekannte Fälle:

Arbeitsmodell2025-052026-05Veränderung
Fully Remote48.1%46.3%-1.8 pp
Hybrid22.5%26.1%+3.6 pp
On-site29.4%27.7%-1.7 pp

Der Anstieg von Hybrid um +3,6 pp ist die größte Bewegung in den Daten. Fully remote ging um 1,8 pp zurück; On-site um 1,7 pp. Beide Extreme verloren etwas, und dieser Anteil floss in Hybrid. Das Migrationsmuster ist aufschlussreich. Wenn der Zuwachs bei Hybrid ausschließlich aus fully remote stammen würde, dürfte On-site stabil bleiben. Stattdessen sank On-site ebenfalls fast im gleichen Maß. Hybrid zieht also gleichzeitig von beiden Seiten Anteile ab.

Diese „beide Enden bewegen sich in Richtung Mitte“-Dynamik ist nicht dasselbe wie die PR-Erzählung großer Unternehmen, nach der „Remote zu On-site wird“. Was sich in den HN-Hiring-Daten zeigt, ähnelt eher einer Neugewichtung der Arbeitsmodelle – weder ein Rückzug aus Remote noch ein Comeback von On-site, sondern ein mittlerer Zustand (Hybrid), der Anteile von beiden Extremen aufnimmt und sich verfestigt.

Warum ist Hybrid im HN-Umfeld besonders stabil? Eine Erklärung auf Mechanik-Ebene: Die Hürde, etwas auf HN zu posten, ist höher als auf LinkedIn. Man braucht einen HN-Account, der Post ist öffentlich für Peers sichtbar, und jede Übertreibung wird in den Antworten sofort aufgegriffen. Unter diesem öffentlichen Peer-Review-Filter bedeutet die Formulierung „hybrid (3 Tage im Büro)“ meist, dass diese Regel bereits länger gilt und konkret gelebt wird — nicht nur ein Buzzword ist. Deshalb ist der 26,1 %-Anteil hier wahrscheinlich „echtes Hybrid“ mit klaren Details, nicht das weichere „Hybrid (flexibel)“, wie man es oft auf LinkedIn sieht.

Für Growth- oder Recruiting-Teams heißt das: Die Erzählung „Hybrid ist das neue Normal“ wird durch HN-Daten teilweise bestätigt, aber Hybrid macht hier immer noch nur 26 % der Posts aus. Wenn Ihr Employer-Brand-Narrativ auf „wir sind ein Hybrid-Unternehmen“ basiert, ist der adressierbare Markt für diese Positionierung etwas kleiner als vielleicht angenommen – fully remote ist immer noch 1,8-mal größer.

3. Unternehmen veröffentlichen weiterhin Fully-Remote-Hiring-Posts

Eine Auswahl von Unternehmen, die im Thread 2026-05 fully remote ausgeschriebene Rollen gepostet haben — die Top 15:

RangUnternehmenFully-remote-Posts
1Doubling1
2Emergences Labs (emergences.ai)1
3CodeWeavers1
4OpenVPN Inc.1
5Amplify Renewables1
6IPinfo.io1
7In The Loop (intheloop.engineering)1
8Deep Core Technology1
9Loophole Labs1
10PostHog1
11Railway1
12Enveritas (YC S18, non-profit)1
13Form AI1
14PlantingSpace1
15SEEKING FREELANCER1

Diese Liste ähnelt keiner viralen Creator-Top-10. Im HN-Hiring-Standard gilt meist ein Post pro Unternehmen und Monat, deshalb ist die Verteilung flach. Aber die bloße Existenz von Unternehmen, die auch 2026-05 offen fully-remote-Stellen posten, ist in diesen Daten selbst ein Signal. Das sind Firmen, die während der RTO-Welle 2024–2026 bewusst eine remote-freundliche Employer Brand beibehalten und diese Entscheidung in ihren Hiring-Text übernommen haben.

PostHog ist aus dieser Liste besonders erwähnenswert. Das Open-Source-Produktanalyse-Unternehmen mit Teams in Großbritannien und den USA war lange remote-first. Seine Präsenz im Mai-2026-Thread zeigt, dass remote-first Startups trotz RTO-Welle weiterhin Engineering-Talente anziehen können — und HN bleibt für sie der passende Kanal Engineer-to-Engineer. CodeWeavers (das Open-Source-Wine-Unternehmen), IPinfo und Loophole Labs passen in ein ähnliches Profil: technisch geprägte mittelgroße Firmen mit Entwickler-naher Zielgruppe, die naturgemäß remote-first arbeiten.

Für Employer Branding ist die Existenz dieser Liste wichtiger als ihre interne Rangfolge. Sie zeigt: „Öffentlich fully remote zu markieren“ ist 2026 weiterhin ein starkes Signal. Es spricht Kandidaten an, denen remote-first-Kultur wichtig ist — ein Unterschied, den große Konzerne mit ihrer RTO-Kehrtwende nicht mehr bieten können.

4. Gehaltsangabe +6,9 pp — die schnellste Bewegung im gesamten Bericht

Zwei Kennzahlen im direkten Vergleich:

salary-visa-disclosure_compressed.webp

Kennzahl2025-052026-05Veränderung
Gehalt angegeben20.5%27.4%+6.9 pp
Visa-Sponsoring erwähnt2.6%2.8%+0.2 pp

Die Gehaltsangabe stieg von 20,5 % auf 27,4 % — also um +6,9 Prozentpunkte in zwölf Monaten. Das ist die schnellste Veränderung in diesem Datensatz und etwa doppelt so stark wie der Hybrid-Anstieg von +3,6 pp. Der Treiber sind die Pay-Transparency-Gesetze der US-Bundesstaaten — etwa Kaliforniens SB 1162 (seit 2023 wirksam), Colorados Equal Pay for Equal Work Act (2021–2023 verschärft), New York (seit September 2023 wirksam) und Washington (seit Januar 2023 wirksam). Diese Gesetze verpflichten Arbeitgeber ab bestimmten Größenordnungen dazu, Gehaltsspannen in Stellenausschreibungen anzugeben. Sobald die Regeln greifen, müssen Arbeitgeber, die in mehreren Bundesstaaten rekrutieren, faktisch in jeder Anzeige eine Angabe machen — denn ein Verzicht würde in den betroffenen Staaten gegen das Gesetz verstoßen.

Die Hiring-Kultur auf HN hat Gehaltstransparenz ohnehin lange befürwortet. Aber ein Sprung von 6,9 pp innerhalb eines Jahres ist sehr wahrscheinlich nicht nur kulturell, sondern vor allem regulatorisch getrieben.

Die Nennung von Visa-Sponsoring bewegte sich kaum (2,6 % → 2,8 %). Diese Kennzahl spiegelt das H-1B-/TN-/O-1-Umfeld wider. In den Jahren 2024–2026 wurde die US-Einwanderungspolitik für Visa technischer Fachkräfte eher strenger als lockerer. Daher passt eine stabile bis leicht steigende Nennungsrate dazu, dass Unternehmen keine Zusagen öffentlich machen wollen, die sie später womöglich nicht einhalten können. Das ist die Plausibilitätsprüfung: Der Anstieg der Gehaltsangabe ist institutionell getrieben, und die Stabilität bei Visa ist ebenfalls institutionell getrieben — nicht durch zufällige Verschiebungen in der Unternehmenskultur.

Praktische Konsequenz für Teams: Wenn Ihr Employer Branding „Transparenz“ betonen soll, liefert Gehaltsangabe mehr Hebel als eine Visa-Policy-Kommunikation. Die Transparenzgesetze zwingen die Angabe ohnehin mit auf die Anzeige — wenn man diese Pflicht als proaktive Offenheit rahmt, ist der Branding-Effekt am stärksten.

5. Warum dieses Datenset belastbar ist — und wo seine Grenzen liegen

In den letzten 18 Monaten wurde die RTO-Debatte vor allem von Schlagzeilen geprägt: Amazons 5-Tage-Rückkehr, Salesforces „team agreements“, Goldmans dauerhafte Office-Regel. Diese Geschichten sind real, sie beschreiben aber PR-Signale großer Bestandsunternehmen, nicht die Hiring-Realität des breiteren Tech-Ökosystems.

Der „Who is hiring?“-Thread auf HN bildet das Gegenstück ab: kleine und mittelgroße Tech-Unternehmen, Startups und Solo-Gründer, die ihren Recruiting-Bedarf in einem öffentlichen, peer-geprüften Forum selbst melden. Viele dieser Firmen posten nicht auf LinkedIn, bezahlen keine Indeed-Listings und arbeiten ohne Recruiter — weil die Kandidaten, die sie suchen (Engineers, frühe Mitarbeitende), ohnehin HN lesen. Jeder Kommentar wird von HN-Lesern in Echtzeit beobachtet und beantwortet. Dieser öffentliche Peer-Review-Mechanismus macht den HN-Hiring-Text zu einem vergleichsweise sauberen Indikator tatsächlicher Arbeitgeberabsicht.

Der Anteil von 46,3 % fully remote (ohne unbekannte Fälle) ist also nicht „der US-Arbeitsmarkt“. Es ist „das öffentlich erklärte Arbeitsmodell von Unternehmen, die sich selbst in die HN-Hiring-Community einordnen.“ Die Lücke zwischen diesen beiden Perspektiven ist groß:

  • Das Bureau of Labor Statistics schätzt, dass fully remote in den USA insgesamt bei etwa 10–15 % aller Beschäftigungsverhältnisse liegt (2024)
  • HN ist jedoch eine selbstselektierte Stichprobe — Unternehmen, die dort posten, sind schon im Vorfeld überdurchschnittlich remote-freundlich
  • Daher beschreibt unsere Zahl von 46,3 % eine selbstselektierte, remote-freundliche Tech-Teilmenge, nicht den Makro-Arbeitsmarkt

Diese Abgrenzung ist für Leser in zweierlei Hinsicht wichtig.

Für Growth- und Content-Teams: Wenn Sie Content zu „Remote lebt noch“ veröffentlichen, ist dieser Bericht eine gut vertretbare Quelle — aber kennzeichnen Sie immer die Stichprobenbegrenzung. Eine saubere Formulierung wäre etwa: „In der HN-Hiring-Community — einer Stichprobe mit Schwerpunkt auf remote-freundlicher Early-Stage-Tech — liegt fully remote weiterhin bei 46 %, mit einem Rückgang von nur 1,8 pp im Jahresvergleich.“ Diese Formulierung hält der Einordnung stand.

Für Recruiting- und HR-Teams: Der Hybrid-Anteil dieses Berichts (26,1 % innerhalb einer remote-freundlichen Teilstichprobe) ist ein Gegenpunkt zur oft übersteuerten Behauptung „Hybrid ist das neue Normal“. Wenn Hybrid in einer ohnehin remote-freundlichen Teilstichprobe nicht einmal 30 % überschreitet, ist der breitere Arbeitsmarkt stärker gegen ein reines Hybrid-Modell als es LinkedIn-Marketing vermuten lässt. Die Employer-Brand-Geschichte rund um „wir sind ein Hybrid-Unternehmen“ könnte also überkorrigiert sein — in Ihrer Zielgruppe ist die echte Hybrid-Präferenz womöglich kleiner als die Marketingliteratur nahelegt.

6. Stabilitätschecks & Vergleich mit anderen öffentlichen Datensätzen

Ein Jahresvergleich wirft die naheliegende Frage auf: Ist der Hybrid-Zuwachs von 3,6 pp ein echter Trend oder nur Stichprobenrauschen? Drei Stabilitätschecks helfen weiter.

Die unbekannte Kategorie hat sich kaum verändert. 3,0 % auf 3,2 %, also nur +0,2 pp. Das bedeutet, dass die Konformität mit den Posting-Konventionen auf HN in beiden Threads stabil war. Die Umverteilung zwischen den drei relevanten Kategorien ist damit eher eine echte Veränderung der Zusammensetzung als ein Parsing-Artefakt nach dem Motto „dieses Jahr waren mehr Posts sauber beschriftet“.

Auch On-site ist leicht zurückgegangen. Wenn Hybrid nur durch Verdrängung von fully remote wachsen würde, wäre On-site vermutlich stabil. Stattdessen sank On-site um 1,7 pp, fully remote um 1,8 pp, und Hybrid stieg um 3,6 pp. Das passt zu „Hybrid gewinnt etwas von beiden Enden“ – also zu einem klassischen Muster, bei dem sich ein mittlerer Zustand herausbildet, statt dass die Extreme abrupt die Plätze tauschen.

Der Nenner ist weitgehend stabil. Gesamtzahl 2025-05: 302 Posts. Gesamtzahl 2026-05: 317 Posts. Die Differenz von nur 15 Posts bedeutet, dass das Hiring-Volumen der HN-Community im Jahresvergleich weitgehend konstant blieb. Die Verschiebungen in den Anteilen sind damit echte Verteilungsänderungen und nicht bloß ein Effekt des Nenners.

hn-posting-data-2025-2026.webp

Die sauberste Lesart lautet also: Der Hybrid-Zuwachs in diesem Bericht ist durchaus belastbar, aber ein Stichprobenrauschen von ±2–3 pp ist realistisch. Für einen PR-Pitch kann man daher vertretbar sagen: „Hybrid-Posts nahmen in der HN-Hiring-Community im Jahresvergleich spürbar zu, ungefähr um 3 Prozentpunkte.“ Nicht schreiben sollte man: „Hybrid explodiert um 50 % YoY“ – dafür ist die HN-Stichprobe zu stabil und zu klein für solche Prozent-von-Prozent-Übertreibungen.

Mehrere öffentliche Datensätze decken die RTO-Frage ab, und auf den ersten Blick wirken ihre Zahlen widersprüchlich. Aus der Perspektive der Stichprobenbegrenzung sind sie jedoch komplementär — jeder misst einen anderen Ausschnitt derselben Realität.

QuelleAbdeckungTypische Lesart (2024–2025)
Stanford WFH ResearchUmfrage unter 5.000+ US-BeschäftigtenInsgesamt in den USA: fully remote ~14 %, hybrid ~28 %
Flex Index (Scoop)Policy-Tracker für 9.000+ US-Unternehmen32 % fully flexible, 55 % strukturiertes Hybrid, 13 % Vollzeit im Büro
Kastle SystemBadge-Swipe-Daten, Top-10-US-Metropolen50–55 % Büroauslastung (gegenüber 100 % vor der Pandemie)
Bureau of Labor StatisticsArbeitgeberbefragung für die USAFully remote bei etwa 10–15 % der Gesamtbeschäftigung
Dieser Bericht (HN Who's Hiring)HN-Hiring-Community, 619 PostsFully remote 46,3 % innerhalb des Samples (ohne unbekannte Fälle)

Diese Zahlen widersprechen sich nicht. Stanford misst das Verhalten der Beschäftigten (Perspektive: Tage im Homeoffice). Flex Index misst die Arbeitgeberpolitik (HR-/Karriereseiten-Perspektive). Kastle misst die physische Auslastung (Immobilien-Perspektive). BLS misst die makroökonomische Zusammensetzung der Beschäftigung (Arbeitsmarkt-Perspektive). Dieser Bericht misst öffentlich erklärte Arbeitsmodelle in einem einzelnen Recruiting-Kanal (Recruiting-Kanal-Perspektive). Fünf Perspektiven erzeugen fünf verschiedene Zahlen — aber sie weisen alle auf dieselbe Grundrealität hin: Fully remote schrumpft, ist aber weit von „tot“ entfernt; Hybrid wächst stetig als mittlerer Weg; und Vollzeit vor Ort nimmt strukturell langsam ab. Wer allgemeingültig behauptet, „die Branche macht X“, sollte mindestens zwei Perspektiven gegentesten — auch dieser Bericht allein reicht nicht aus, um „die Branche“ zu beschreiben.


Methodik

Datenquelle: Hacker-News-Firebase-API (https://hacker-news.firebaseio.com/v0/item/\{id\}.json). Verglichene Threads: 2025-05 (Item-ID 43858554) und 2026-05 (Item-ID 47975571). Jeder Kommentar der obersten Ebene wurde als ein Hiring-Post gewertet (HN-Konvention). Erfasster Snapshot: 2026-05-12 (UTC). Bereinigte Stichprobe: 2025-05 302 Posts, 2026-05 317 Posts, insgesamt 619.

Bias der HN-Community (der wichtigste Vorbehalt): Die HN-Hiring-Community wird stark von Entwicklern, Startup-Gründern und frühen Engineering-Teams geprägt. Das Sample ist überproportional auf SaaS-, AI-Tooling- und remote-freundliche Unternehmen ausgerichtet. Dieser Bericht darf nicht als Abbild der US-amerikanischen oder globalen RTO-Trends gelesen werden. Klassische Branchen (Finanzwesen, Produktion, Einzelhandel, Gesundheitswesen, Bildung) posten deutlich häufiger vor Ort als das, was hier sichtbar wird, und die meisten dieser Unternehmen rekrutieren auf HN gar nicht. Der in diesem Bericht beschriebene Fully-Remote-Anteil ist das Bild einer selbstselektierten, remote-freundlichen Tech-Teilmenge – kein Makro-Arbeitsmarktsample.

Grenze der Stichprobengröße: 619 Posts zusammen — nicht „N Unternehmen“. Dasselbe Unternehmen kann mehrere Rollen posten (typischerweise einmal pro Thread, aber möglicherweise über mehrere Threads hinweg). Der Nenner ist also „Posts“, nicht „eindeutige Arbeitgeber“. Eine Unternehmensanalyse würde Deduplication erfordern, die hier nicht durchgeführt wird — zitiert wird auf Posting-Ebene.

Parsing-Genauigkeit: Die Konformität mit den Posting-Konventionen auf HN liegt bei etwa 70 %; regelbasiertes Parsing erfasst weitere ~15–20 %; der Rest landet in der unbekannten Kategorie. Wir verwenden den Anteil ohne unbekannte Fälle als Hauptkennzahl, um Schwankungen in der Konformität zu neutralisieren. Die Bewegung der unbekannten Kategorie selbst (+0,2 pp) spiegelt eher die Entwicklung der Posting-Konventionen als den eigentlichen RTO-Trend wider.

Jahresvergleich vs. Langfristtrend: Dieser Bericht ist ein einzelner Jahresvergleich. Er leitet keine Langfristentwicklung ab. Eine Langfriststudie würde mindestens 5 Jahre × 12 Monats-Threads (60 Datenpunkte) benötigen — HN-Threads existieren seit 2011, also wäre das ein mögliches Folgeprojekt, aber nicht die Aussage dieses Berichts.

Zeitpunkt des Snapshots: Erfasst am 2026-05-12. HN-Kommentare sind nach dem Posten praktisch unveränderlich (die Community rät von Edits ab), deshalb ist dieses Datenset stabil und reproduzierbar — anders als Website-Snapshot-Analysen, bei denen sich Zielseiten zwischen den Läufen verändern. Die langfristige Reproduzierbarkeit ist ein klarer Vorteil dieser Quelle.

Recht und Copyright: Die HN-API ist öffentlich und schreibgeschützt; das Abrufen ist ohne Authentifizierung erlaubt. Der Kommentartext ist urheberrechtlich Eigentum des jeweiligen Autors; dieser Bericht verwendet nur aggregierte Zählungen und kurze Phrasen-Frequenzen — keine vollständigen Zitate von Kommentaren. Genannte Unternehmen (Top-Rangliste) erscheinen ausschließlich in positivem Kontext (höchste Anzahl an fully-remote-Posts); keinem namentlich genannten Unternehmen werden negative Befunde zugeschrieben. Es wird kein roher CSV-/JSON-Datensatz veröffentlicht, aber jede Zahl in diesem Bericht lässt sich vollständig über die öffentliche HN-API reproduzieren.

Vorbehalte

Was dieser Bericht NICHT belegt:

  • Nicht: „Alle US-Tech-Unternehmen haben X % fully-remote-Posts“
  • Nicht: „Unternehmen X hat aufgehört, Remote-Jobs zu posten“ (wir verfolgen Unternehmen in diesem Bericht nicht longitudinal)
  • Vertretbar: „Innerhalb der HN-Threads von 2025-05 und 2026-05 verschoben sich fully-remote-Posts von 46,7 % auf 44,8 % der Gesamtzahl (bzw. von 48,1 % auf 46,3 % ohne unbekannte Fälle)“

Datenquelle & Versionierung

Erfassungsskripte: return_to_office_index_2026/00_fetch_hn_who_hiring.py und nachgelagerte Pipeline (dieses Repo). Erfassungsdatum: 2026-05-12 (UTC). Berichtsversion: v1.0 (einzelner Jahresvergleich). Datenlizenz: HN-Kommentare sind urheberrechtlich geschützt durch ihre Autor:innen; die Nutzung aggregierter Statistiken fällt unter Fair Use. Dieser Bericht teilt die HN-Daten mit dem AI Required Position Rate 2026-Bericht — beide können gemeinsam zitiert werden, da sie dieselben 619 HN-Posts aus zwei verschiedenen Blickwinkeln betrachten (Arbeitsmodell vs. KI-Tool-Nutzung).

Was SEO- und Content-Teams zitieren können

Diese Studie liefert mehrere zitierfähige Ansatzpunkte für Blog-Intros, Daten-Callouts, Social Posts, Vergleichsseiten und weiterführende Erklärstücke:

  • Vollständig remote ist im HN-Hiring-Sample weiterhin das größte Arbeitsmodell: 46,3 % der klassifizierten Posts aus Mai 2026.
  • Vollständig remote sank im Jahresvergleich nur um 1,8 Prozentpunkte, von 48,1 % auf 46,3 %.
  • Hybrid stieg um 3,6 Prozentpunkte, von 22,5 % auf 26,1 % – die größte Bewegung im Bericht.
  • Auch vor Ort ging zurück, von 29,4 % auf 27,7 %, was darauf hindeutet, dass Hybrid sowohl von fully remote als auch von vor Ort gewinnt.
  • Die Gehaltsangabe stieg von 20,5 % auf 27,4 % – stärker als jede Arbeitsmodell-Kategorie.
  • Visa-Sponsoring-Nennungen bewegten sich kaum, von 2,6 % auf 2,8 %.
  • Das Sample beschreibt einen selbstselektierten, remote-freundlichen Tech-Recruiting-Kanal – nicht den gesamten US-Arbeitsmarkt.

Der Vorbehalt sollte immer mit der Zahl mitwandern. Diese Werte beschreiben die konkrete Stichprobe und Methodik dieses Berichts. Sie sollten nicht als Vollerhebung des Marktes, als interne Adoptionsmessung oder als Aussage über jedes Unternehmen einer Kategorie umgedeutet werden.

Für redaktionelle Nutzung ist die stärkste Formulierung diejenige, die die Kennzahl direkt mit der Stichprobenbegrenzung verbindet. Das macht die Aussage belastbarer und für Leser vertrauenswürdiger. Formulieren Sie beispielsweise „in diesem HN-Hiring-Sample“, „in diesem DTC-Homepage-Scan“ oder „in dieser YouTube-Kanalstichprobe“, bevor Sie die Zahl in eine breitere Trenddebatte einordnen.

Hinweise zur Reproduzierbarkeit

Der Auslieferungsordner enthält die folgenden Prozessdateien, die aus den ursprünglichen lokalen Report-Paketen kopiert wurden. Sie dienen dazu, den veröffentlichten Bericht mit den tatsächlichen Skripten, Zwischenergebnissen, Diagrammen und Quellentwürfen im Reporting-Workflow abgleichen zu können.

  • process_files/out/analysis_stats.json
  • process_files/out/hn_jobs_parsed.csv
  • process_files/out/hn_jobs_reclassified.csv
  • process_files/out/hn_threads_meta.csv
  • process_files/scripts/00_fetch_hn_who_hiring.py
  • process_files/scripts/01_parse_hn_jobs.py
  • process_files/scripts/02_classify_unknowns.py
  • process_files/scripts/03_compute_stats.py
  • process_files/scripts/04_make_figs.py
  • process_files/scripts/05_build_data_brief.py
  • process_files/scripts/06_build_report_bilingual.py
  • process_files/scripts/07_module_i_check.py

Korrekturen zur Methodik, Hinweise zu Datensätzen und Vorschläge für Folgeanalysen sind willkommen unter support@thunderbit.com. Dieser Bericht basiert auf öffentlichen Web- oder API-Signalen, die im Mai 2026 erhoben wurden, und sollte unter Berücksichtigung der oben genannten Stichprobenbegrenzung gelesen werden.

AI Web Scraper testen
Shuai Guan
Shuai Guan
CEO bei Thunderbit | Experte für KI-Datenautomatisierung Shuai Guan ist CEO von Thunderbit und Absolvent der University of Michigan Engineering. Mit fast einem Jahrzehnt Erfahrung in Tech- und SaaS-Architektur ist er darauf spezialisiert, komplexe KI-Modelle in praktische No-Code-Tools zur Datenextraktion zu verwandeln. In diesem Blog teilt er ungefilterte, in der Praxis bewährte Einblicke in Web-Scraping und Automatisierungsstrategien, damit Sie intelligentere, datengetriebene Workflows aufbauen können. Wenn er nicht gerade Daten-Workflows optimiert, widmet er dieselbe Liebe zum Detail seiner Leidenschaft für die Fotografie.

Teste Thunderbit

Leads und andere Daten in nur 2 Klicks extrahieren. Mit KI angetrieben.

Thunderbit holen Kostenlos
Daten mit KI extrahieren
Daten einfach zu Google Sheets, Airtable oder Notion übertragen
PRODUCT HUNT#1 Product of the Week